Ein anderes Level: Eine Bonusgeschichte zu “Die Auẞenseiter von Copper County”

(spielt nach dem Epilog von „Die Außenseiter von Copper County“)

Kapitel 1

Kel

Ich hatte noch nie einen romantischen Abend geplant. Noch nie.

Versteht mich jetzt nicht falsch, ich wusste schon alles darüber, wie … Romantik funktioniert … im Sinne von Rosen sind immer passend. Ich war nicht umsonst der Kupplerkönig unserer Studentenverbindung Sigma Nu.

Ich hatte sogar schon ein oder zwei Dates gehabt, bei denen ich extra mein grünes Hemd angezogen hatte ‒ Hayes nannte es mein „Fick-mich-Hemd“, weil es meine Augen „feurig“ aussehen ließ ‒ und dann eine besondere Dame zum Essen oder so was in der Art ausgeführt hatte.

Aber eine romantische Szene inszenieren? Jemanden in eine romantische Stimmung bringen, bis ihm Cartoon-Herzen in den Augen stehen? Auf keinen Fall. Ich hatte noch nie eine Freundin, die es länger als eine Woche mit mir ausgehalten hatte.

In solchen Moment fühlte ich mich wie eines dieser neugeborenen Giraffenbabys in diesem niedlichen Tiervideo, das Hayes immer wieder abspielte, wobei ich auf meinen spindeldürren in Romantik unerfahrenen Babybeinen herumwackelte.

„Kein Risiko, keine Belohnung“, murmelte ich leise, während ich die Sofakissen zum sechzehnten Mal verzweifelt neu arrangierte.

Brewers Rat war mir so einfach erschienen, als er ihn mir vor ein paar Wochen gegeben hatte, und ich hatte ihn seitdem wie ein Mantra rezitiert.

Aber einfach bedeutete leider nicht auch leicht.Und während ich in meinem Kopf noch darüber nachdachte, wie ich, Kelvin „Kel“ Morgan – ein selbsternannter heterosexueller Mann seit ganzen dreiundzwanzig Jahren –, meinem besten Freund und Gaming-Partner, dem Mann, den ich wie einen Bruder liebte, gestehen sollte, dass meine Gefühle für ihn nicht mehr nur ganz so brüderlich waren …

Nun, ich war dabei, alles zu vermasseln.

Beeindruckende Leistung.

Ich stand an der Eingangstür, rieb meine Handflächen nervös an meiner Jeans und versuchte, unseren gemütlichen Wohnbereich mit kritischen Augen zu betrachten. Ich konnte hier nicht viel neu gestalten, da dieser Raum hauptsächlich nur aus einer Couch bestand ‒ Hayes hatte gemeint, es sei wichtig, ein Sofa zu kaufen, das zu unserem Fünfundsiebzig-Zoll-Flachbildschirm passte, und wie immer hatte er auch damit recht gehabt ‒, aber wenigstens sah alles aufgeräumt aus. Keine leeren Getränkedosen auf dem Couchtisch. Die Gaming-Sachen waren weggeräumt. Und ich hatte alle Kissen, die Hayes während unseres ersten und einzigen epischen Streits am Abend zuvor herumgeschleudert hatte, wieder in Ordnung gebracht.

„Kel, was zum Teufel?“, hatte Hayes mich gefragt, als er sich neben mir auf der Couch zusammengerollt hatte, um DragonBlood4 zu spielen, und ich von ihm weggerutscht war. „Du bist plötzlich nicht mehr damit einverstanden, dass wir im selben Bett schlafen, du redest kaum noch mit mir, und du hast dich ganz versteift und bist komisch geworden, als ich dich heute Morgen umarmt habe!“

Hayes hatte sich dabei so verdammt verletzt angehört, dass es mich fast umgebracht hätte. Wirklich, so wie ein Messerstich direkt in die Brust. Denn das Letzte, was ich wollte, war, dass er sich von mir zurückgewiesen oder ungeliebt fühlte, wenn genau das Gegenteil der Fall war.

Aber wie zum Teufel sollte ich ihm nur erklären, dass ich mich versteift hatte, als er mich umarmte, weil ich steif geworden war, als er mich umarmte? Oder dass all die Dinge, die wir jahrelang miteinander getan hatten, ohne weiter darüber nachzudenken ‒ wie uns das Kingsize-Bett in unserer Einzimmerwohnung zu teilen, weil keiner von uns es wirklich mochte, auf dem Sofa zu schlafen, oder zusammen auf dem Fußboden herumzualbern und miteinander zu ringen, oder sogar aus der gleichen Limonadendose zu trinken, auch wenn das bedeutete, dass mein Mund die Stelle berührte, wo zuvor noch Hayes‘ Mund gewesen war ‒, in mir jetzt alle möglichen Gedanken aufkommen ließen?

Vielleicht hatte Brewer ja recht gehabt, und mein Verhalten gegenüber Hayes war ein Zeichen dafür, dass ich schon immer in ihn verliebt gewesen war. Aber diese Erkenntnis, dass ich wirklich in ihn verliebt war, hatte mich völlig aus der Bahn geworfen. Es fühlte sich auf einmal irgendwie seltsam und falsch an, all diese Dinge mit ihm zu teilen, wenn ich jetzt wusste, dass ich sie auf eine … nicht mehr nur freundschaftliche Art und Weise genoss.

Letzte Nacht, nach unserem Streit, hatte ich auf der Couch geschlafen, und während ich mich hin- und hergewälzt hatte, hatte ich mich dazu entschieden, Hayes heute Morgen endlich, endlich die Wahrheit zu sagen. Aber als ich aufwachte, war er schon weg ‒ keine Guten-Morgen-SMS, keine Giraffenvideos, nichts ‒, und mir wurde bewusst, dass ich alles vermasselt hatte.

Ich hatte Hayes eine SMS geschickt, um ihn zu fragen, ob er heute Abend zu Hause sein würde …

Und ich hatte versucht, wegen seiner launischen Reaktion nicht auszuflippen:

Hayes

Ja, nach der Kunstausstellung komme ich nach Hause. Ich wohne doch noch dort, oder?

Und dann hatte ich einen Plan ausgeheckt.

Oder das Internet hatte das für mich gemacht.

Ich hatte gegoogelt, „wie man seinem besten Freund gesteht, dass man in ihn verliebt ist“, und eine Menge wenig hilfreicher Ratschläge gelesen wie „sei ehrlich“ (offensichtlich) und „bereite dich auch auf Ablehnung vor“ (unmöglich). Das Internet hatte auch anderes Zeug vorgeschlagen, wie Kerzen, Wein, Musik und Schokolade, was mir wenig kreativ vorkam, aber was wusste ich schon?

Ich hatte also ein paar Duftkerzen, eine Flasche Wein und einige Leckereien aus einer Bäckerei besorgt, während ich in Piermonte, einem hübschen Städtchen auf der anderen Seite von Copper County, mit einer Essenslieferung unterwegs war, und ich hatte sogar eine Spotify-Playlist mit dem Titel „Beste Liebeslieder aller Zeiten“ für uns herausgesucht.

Jetzt musste ich nur noch herausfinden, wie ich Hayes alles gestehen konnte.

Wie sage ich ihm, dass es erst neulich, als ich ihn zu „Dancing Through Life“ aus Wicked im Wohnzimmer herumtanzen sah, in meiner Brust einfach … klick gemacht hat?

Wie sage ich ihm, dass ich, als er die Augen schloss, aus voller Kehle mitsang und dabei einen lächerlichen Tanz aufführte, der eigentlich hätte peinlich sein müssen, aber einfach perfekt war, plötzlich verstand, warum ich mich nie jemandem so nahe gefühlt hatte wie ihm?

Wie sage ich ihm, dass ich endlich verstanden habe, warum ich nie eine dauerhafte Beziehung gefunden hatte?

Wie sage ich ihm, dass ich mich unvollständig fühle, wenn er nicht bei mir ist?

Das ist doch leicht, nicht wahr?

„Reiß dich zusammen, Morgan“, sagte ich zu mir selbst und zündete mit zitternden Händen die neuen Kerzen an. „Das ist doch nur Hayes. Es wird schon alles gut gehen. Er macht doch immer, dass alles wieder gut wird.“

Das stimmte auch irgendwie. Hayes war jetzt seit fünf Jahren schon mein bester Freund und seit drei Jahren mein Mitbewohner. Er hatte mich verkatert und mit einer Lebensmittelvergiftung erlebt, und er hatte mich getröstet, als mein Hund starb. Er wusste, dass ich im Schlaf manchmal redete und dass ich bei TikToks mit traurigen Tieren und heimkehrenden Soldaten weinte.

Aber weil es eben um Hayes ging, bedeutete das, dass ich das alles riskieren würde. Das ist doch nur Hayes stimmte also ganz und gar nicht.

Ich dämpfte das Licht, machte einen letzten Haar-Check im Badezimmer und wollte gerade in die Küche gehen, um den mitgebrachten Kuchen auszupacken … als ich Hayes‘ Wohnungsschlüssel im Türschloss hörte.

„H-Hey, Hayes!“, rief ich und huschte zurück ins Wohnzimmer.

Hayes sah in seinem blauen Pullover, der ganz wunderbar zu seinen Augen passte, einfach umwerfend aus. Er zeigte ein kleines Stirnrunzeln zwischen seinen Augenbrauen, was ich seinen „verärgerten Kätzchenblick“ nannte, vor allem, weil Hayes mich jedes Mal, wenn ich das sagte, anraunzte und fauchte: „Willst du die Krallen zu spüren bekommen?“

Und ja, jetzt, wo ich so darüber nachdachte, könnte Brewer wirklich recht gehabt haben mit der ganzen „Schon immer in Hayes verliebt“-Sache.

„Alter, warum ist es hier so dunkel? Haben wir eine durchgebrannte Sicherung?“, fragte Hayes und sah sich in unserem Wohnzimmer um, bevor er mir einen irritierten Blick zuwarf. „Was zum Teufel ist hier los?“

Ich holte tief Luft. Ich konnte das tun.

Kein Risiko, keine Belohnung.

Kapitel 2

Hayes

Irgendetwas war mit Kel anders.

Mein bester Freund war in sehr vielen Dingen verdammt gut: zuhören, gamen, hart arbeiten. Eine Sache, in der er allerdings nicht wirklich gut war, war, sich zu verstellen. Als er also in der letzten Woche anfing, sich zurückzuziehen und von mir zu distanzieren und sich dazu noch weigerte, mit mir darüber zu sprechen oder auch nur zuzugeben, dass er ein Problem hatte, dachte ich, dass es dafür nur eine einzige mögliche Erklärung gab.

Nachdem ich es fünf Jahre lang erfolgreich verheimlicht hatte, hatte Kel doch irgendwie herausgefunden, dass ich total in ihn verliebt war …

Und er war deswegen verärgert.

Einerseits war diese Situation aber wirklich nicht meine Schuld.

Der Mann sah aus, als wäre er direkt aus einem Anime entsprungen, verdammt noch mal, mit seinen großen grünen Augen, diesen langen Wimpern und einem Schopf bräunlicher Haare, die auf die niedlichste Weise aufrecht abstanden. Und als ich mich ihm gegenüber schon im ersten Studienjahr als bi geoutet hatte, hatte er mir nicht nur geschworen, als mein Wingman zu fungieren, egal mit wem ich mich daten wollte, sondern er hatte mich auch fest umarmt und auch danach jahrelang weiter umarmt, trotz der „Und du behauptest, nicht schwul zu sein, schon klar?“-Hänseleien, die wir von einigen unserer Studienkollegen zu hören bekommen hatten.

Ich war doch auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut. Wer würdesich denn nicht in ihn verlieben?

Andererseits … war diese Situation trotzdem allein meine Schuld. Ich wusste doch, dass Kel nicht auf Jungs steht, und ich hatte auch nie nur ein einziges Wort über meine Gefühle ihm gegenüber verloren, auch nicht, als aus meiner anfänglichen Schwärmerei viel mehr wurde, was ein klarer Verstoß gegen den Kodex bester Freunde war.

Als ich also die Treppe zu unserer Wohnung hinaufging, wusste ich, dass es für mich an der Zeit war, mit ihm reinen Tisch zu machen. Mich bei ihm zu entschuldigen. Ihmanzubieten, dass ich ausziehe, um ihm für eine Weile Freiraum zu geben. Ich hatte mir sogar schon den Schlüssel zu Brewer und Delaneys Haus besorgt, damit ich bei ihnen auf dem Dachboden schlafen konnte. Was auch immer nötig war, um sicherzustellen, dass Kel und ich wieder normal miteinander umgehen und weiterhin beste Freunde bleiben konnten.

Mein erster Hinweis darauf, dass ich wahrscheinlich zu spät dran war, kam, als ich schon fast oben auf der Treppe vor unserer Wohnungstür stand. Der gesamte Flur roch süß nach Babypuder, was ich automatisch immer mit Großmüttern und Studentinnen verknüpfte.

Der zweite Hinweis folgte, als ich unsere Wohnungstür aufschloss und die Quelle dieses Geruchs ausfindig machte.

Kerzen. Dutzende von ihnen flackerten auf jeder freien Oberfläche unseres Wohnzimmers, als würden wir hier gleich eine Séance oder eine rituelle Opferung abhalten wollen.

„Alter, warum ist es hier so dunkel? Haben wir eine durchgebrannte Sicherung?“, fragte ich.

Dann, als sich meine Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erblickte ich Kel … oder zumindest die Ken-Puppen-Version von ihm. Sein Haar war glatt und lag flach auf seinem Kopf, sein normalerweise stoppeliges Kinn war glatt rasiert, und er trug das grüne Hemd mit Knopfleiste, was ihm schon öfter Sex verschafft hatte, als mir lieb war.

„Was zum Teufel ist hier los?“, fragte ich weiter.

„Hey“, sagte er mit einer höheren Stimme als sonst. „Du bist, äh, ja schon früh zu Hause. War die Kunstausstellung gut?“

„Ja“, stimmte ich ihm vorsichtig zu. „Ich bin nicht bis zum Schluss geblieben.“

Ich entdeckte eine flackernde Kerze direkt neben der Xbox ‒ der leicht entflammbarenXbox, die Kel mir vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt hatte, wofür er lange gespart hatte ‒, und ging hinüber, um sie auszupusten. Dann blies ich auch noch die Kerze neben dem Stapel Spielemagazine auf dem Couchtisch aus.

Langsam glaubte ich zu wissen, was hier vor sich ging … und ich war verdammt noch mal nicht glücklich darüber.

Ich stemmte die Hände in die Hüften. „Unsere ganze Wohnung riecht nach Janice Plums Hut“, warf ich ihm vor.

Kels Wangen erröteten. „Das sind doch nur Duftkerzen, Mann.“ Er verschränkte seine Arme, dann kratzte er sich am Kopf und verschränkte sie erneut, als wüsste er nicht, was er mit seinem Körper tun sollte. „Von Little Lavender.“

„Little Lavender?“ Ich verengte meine Augen. „Du hast Kerzen im nobelsten Laden von ganz Piermonte eingekauft? Ich dachte, wir wollten sparen, um im Frühjahr zur Pax East zu fahren!“

„Das werden wir“, stammelte er. „Wir machen das! Ich hatte doch nur …“ Kel fummelte an seiner Hemdmanschette herum. „Ich dachte, die wären cool.“

Ich holte tief Luft. Die Kerzen. Die saubere Wohnung. Das „Fick-mich-Hemd“. Die Heimlichtuerei. Dass sich zurückgezogen hatte. Das deutete alles nur auf eine Sache hin: Kel erwartete hier sein Date. Wahrscheinlich mit jemandem, auf den er schon eine Weile scharf war.

Das flaue Gefühl in meinem Magen verwandelte sich augenblicklich in eine ausgewachsene Übelkeit.

Dates waren für Kel nicht … ungewöhnlich. Es hatte darunter sogar ein paar Frauen gegeben, die im Laufe der Jahre richtige Freundinnen geworden waren. Seine Beziehungen waren stets so kurzlebig, dass Kel sich wahrscheinlich nicht einmal mehr an all ihre Namen erinnerte … aber ich schon.

„Also …“ Ich versuchte, betont lässig zu klingen. „Große Pläne für heute Abend, was?“

„Hm? Nein. Ich meine …“ Kel versuchte sich an einem Lächeln. „Wir können eine Weile hier abhängen, wenn du willst?“

Abhängen? Ich und er? Aber warum …?

„Ohhh, ich verstehe. Du erwartest heute Abend noch jemanden zu Besuch, ist es das?“ Die Frage kam abrupter aus mir heraus, als ich eigentlich beabsichtigt hatte.

Kels Augen weiteten sich. „Was? Alter, nein! Ich meine, nicht … nein.“

Nicht … nein. Das klang ja toll.

„Du hättest mir einfach sagen sollen, dass du heute die Wohnung brauchst“, meinte ich und versuchte, meine Enttäuschung zu verbergen. „Dann hätte ich bei Brewer geschlafen. Ich kann immer noch …“

„Hayes, nein!“, schrie Kel fast und sah dann sofort verlegen aus. „Das ist nicht nötig. Die Sache ist nämlich eigentlich die …“

Beunruhigte, ernste grüne Augen trafen auf meine. Er öffnete seinen Mund, schloss ihn wieder, und platzte dann heraus: „Ich brauche einen Drink“, und flüchtete in die Küche, ohne auf meine Antwort zu warten.

Ich ließ mich auf die Armlehne des Sofas sinken. Vielleicht hatte Kel ja recht. Vielleicht würde jetzt ein Bier erst einmal helfen.

„Hier, bitte sehr!“, sagte Kel fröhlich, als er einen Moment später mit zwei Gläsern Weißwein aus der Küche zurückkam.

Ich blinzelte. Kel hasste Wein. Wir hatten einmal einen Vorfall bei Jasper und Watt gehabt, wo Kel behauptet hatte, Wein schmecke wie verfaulte Früchte, und Watt hatte ihm dann erklärt, das gegorene Früchte eigentlich verfaulte Früchte sind, und Kel war darüber einfach nur schockiert und entsetzt gewesen.

Wer auch immer dieses Date war, musste wirklich etwas Besonderes sein, damit Kel bereit war, dieses Zeug zu trinken …

Und diese Erkenntnis brach mir das Herz.

Die Sache war die: Kel hatte jedes Recht, sich zu daten. Sich zu verlieben. Zu heiraten und dann ein Dutzend Baby-Kels auf die ahnungslose Welt loszulassen, wenn er das wollte. Verdammt, ich wollte diese Dinge für ihn, und da ich wusste, dass er sie mit mir nicht haben konnte, hatte ich schon lange akzeptiert, dass wir nicht für immer wie Brüder und Mitbewohner zusammenleben konnten.

Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es so weit zwischen uns kommen würde. Ich hatte nicht erwartet, dass er von meiner heimlichen Verliebtheit erfahren würde und dass die Dinge dann so seltsam zwischen uns werden würden, dass er nicht einmal mit mir über die Frau sprechen konnte, die er datete. Ich hatte nicht erwartet, dass meine Eifersucht mich dazu bringen würde, auf die Kissen, die ich während unseres Streits am Abend zuvor herumgeschleudert hatte, nun einstechen zu wollen.

Eines war allerdings sicher: Über meine Gefühle zu sprechen, war für heute Abend vom Tisch. Wahrscheinlich für immer.

„Ich gehe mich umziehen“, sagte ich mit einem vorgetäuschten, lässigen Lächeln. „Diese Jeans sind mir zu eng.“

Als ich mich auf den Weg ins Schlafzimmer machte, erhaschte ich einen Blick auf Kels niedergeschlagenes Gesicht, aber noch bevor ich ihn fragen konnte, was eigentlich los war, hatte er sich bereits von mir abgewandt und versuchte hektisch, die Kerzen, die ich ausgeblasen hatte, wieder anzuzünden.

Wen auch immer Kel zu beeindrucken versuchte, ich hoffte, sie war es wert. Und ich hoffte wirklich, dass er auch wusste, dass er nicht versuchen musste, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten oder sich zu ändern, um für jemanden beeindruckend zu sein … weil er es verdammt noch mal schon längst war.

Als ich die Schlafzimmertür erreichte, warf ich noch einmal einen Blick zurück. Kel stand in der Mitte unseres Wohnzimmers, umgeben von flackernden Kerzen, und sah so verloren und unsicher aus, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren hatte ich keinerlei Ahnung, was mein bester Freund dachte. Und das gefiel mir überhaupt nicht.

Kapitel 3

Kel

Das steuerte auf eine totale Katastrophe zu, die nicht zu verhindern war.

Mein Magen verknotete sich zu einer Brezel, während ich den Schaden begutachtete. Die Kerzen, die Hayes ausgeblasen hatte, ließen sich irgendwie nicht mehr anzünden, und ich musste jetzt zugeben, dass er recht gehabt hatte, als er sagte, sie würden wie Janice‘ Erntekronen-Hut riechen. So viel zu einer romantischen Situation.

Der erste Fehler.

Trotzdem wollte ich noch nicht aufgeben. Ich konnte verdammt noch mal nichtaufgeben. Hayes war mir zu wichtig.

„Hast du Hunger?“, fragte ich, als Hayes zurückkam, nachdem er sich umgezogen hatte: Basketballshorts, die ihm tief auf den Hüften hingen, und ein verblasstes DragonBlood4-T-Shirt, das sich an seine Brust und Schultern schmiegte.

Als ich ihn so sah, wurde mein Mund ganz trocken und der Rest von mir ganz schwitzig.

Ich vergrub meine Hände in meinen Gesäßtaschen, weil ich nicht wusste, was ich mit ihnen machen sollte.

„Sicher.“ Hayes‘ Lächeln wirkte zwar entschlossen und fröhlich, aber es schien trotzdem so, als würde er meinem Blick ausweichen, was mich noch mehr zum Schwitzen brachte. „Ich hatte zwar ein paar Häppchen bei der Ausstellung, aber das war nur Fingerfood und so was in der Art. Ich könnte durchaus etwas Richtiges essen.“

„Gab es dort Chris Sundays Charcuterie-Platten?“, fragte ich.

Hayes grinste ‒ dieses Mal wirklich ‒ und seine Augen trafen meine. „Genau. Mit Frühlings-Motto. Er nannte es seine Blumen-Platte. Es waren sogar frische Feigen darauf.“

Ich keuchte und legte eine Hand auf meine Brust. „Und trotzdem hast du mir nichts davon mitgebracht? Du verräterischer Mistkerl.“

Hayes lachte laut ‒ das beste Geräusch des ganzen Universums ‒ und für eine Sekunde war ich zuversichtlich, dass alles in Ordnung kommen würde.

„Ich, ähm … ich dachte eigentlich eher an ein Dessert als an ein richtiges Essen.“ Ich deutete auf die Bäckerei-Schachtel auf dem Küchentisch. „Ich habe heute etwas gekauft, als ich in Piermonte war, und ich überlasse dir auch den ersten Bissen, denn ich weiß, wie man etwas richtig teilt“, scherzte ich.

Hayes betrachtete die schicke Schachtel, und sein Lächeln verblasste langsam. „Weißt du … ich habe eigentlich doch keinen Hunger.“

Ich runzelte die Stirn. Ich hatte nicht gewusst, dass Hayes auch mal nicht hungrig sein konnte.

„Komm trotzdem mit“, sagte ich, winkte ihn in die Küche und sah ihn mit großen, flehenden Augen an. „Bitte?“

„Na schön“, stöhnte Hayes. Er nahm eines der Weingläser, die ich auf unserem kleinen Esstisch abgestellt hatte, kippte den Chardonnay wie einen Tequila-Shot hinunter und betrat die Küche wie ein Mann auf einer Mission.

Mein Herz schlug nun wie wild. Jetzt passierte es. Der Kuchen würde meine Absichten unmissverständlich deutlich machen. Die Konditorin hatte mit blauer Glasur ‒ Hayes‘ Lieblingsfarbe ‒ geschrieben: „Ich will mehr als nur dein Kumpel sein, Hayes“, was den Kuchen zum perfekten Gesprächseinstieg machen würde.

„Hier“, sagte ich und schob ihm die Schachtel zu. „Mach sie auf.“

Hayes versuchte, seinen Finger unter den oberen Rand der Schachtel zu schieben, runzelte dann aber die Stirn, als er feststellte, dass ihm das nicht gelang. „Herrje, Alter. Du hast dein Dessert hermetisch versiegeln lassen? Dachtest du, jemand würde es stehlen?“

„Hm? Oh. Nein, habe ich nicht. Ich habe in der Bäckerei aber gesagt, dass ich nicht will, dass es beim Transport beschädigt wird, also hat die Konditorin den Kuchen in den hinteren Raum gebracht und … ich glaube, sie hat dort ein bisschen mit dem Klebeband herumhantiert, bevor sie alles wieder herausgebracht hat.“

Hayes schnaubte und griff sich ein Küchenmesser.

„Hayes, warte.“ Ich streckte meinen Arm aus, um sein Handgelenk zu greifen. „Ich … du musst wissen, wie wichtig du mir bist. Das …“, ich nickte auf die Schachtel hinunter, „könnte die Dinge zwischen uns ändern, aber egal, wie du dich fühlst, nachdem du es geöffnet hast, du wirst immer mein bester Freund bleiben. Ja?“

Hayes‘ Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln, das irgendwie fast traurig oder sentimental wirkte. „Ja. Brüder für immer, richtig?“

Ich nickte zuversichtlich, obwohl ich hoffte, dass wir in ein paar Minuten viel mehr als das füreinander sein würden. Ich nahm meine Hand von ihm weg. „Okay, mach schon.“

Ich behielt Hayes‘ Gesicht im Auge, während er die Schachtel öffnete, und verfolgte seine Mimik, die sich von Verwirrung über Schock hin zu … Wut wandelte?

Es gab einen langen Moment der Stille, in dem mir der Magen in die Kniekehlen rutschte, und dann rief Hayes: „Wer zum Teufel ist Penny? Und warum machst du ihr einen Heiratsantrag mit einem Kuchen?“

Ich griff nach der Schachtel, und mein Magen drehte sich so schnell um, dass mir regelrecht schwindlig wurde, als ich entsetzt auf den Kuchen starrte, auf dem in leuchtend rosa Buchstaben stand: „Heirate mich, Penny.“

„Nein!“, rief ich. „Oh, Scheiße. Ich sagte ihnen … ich sagte, sie sollen schreiben … ich bat um eine blaue Glasur“, stammelte ich. „Das ist der falsche Kuchen!“

Der zweite Fehler.

Hayes atmete durch die Nase ein und verschränkte seine Arme vor der Brust. Er sah aus, als würde er mit einer Art Dämon ringen … und zwar nicht auf eine lustige oder amouröse Art.

„Ich glaube nicht, dass es Penny etwas ausmachen wird, welche Farbe die Glasur hat“, sagte er schließlich mit gedämpfter Stimme. „Und das mit dem Heiratsantrag mit einem Kuchen war nur ein Scherz von mir. Das ist … süß. Irgendwie.“

Ich runzelte die Stirn. Wovon zum Teufel redete er da? „Äh. Okay. Aber du weißt schon, dass ich nicht …“

Hayes wandte sich von mir ab und rannte praktisch aus der Küche. „Tut mir leid, Kel“, rief er aus dem Wohnzimmer. „Ich muss los. Ich habe vergessen, dass ich noch … Dinge zu erledigen habe. Mit Brewer. Dringend zu erledigen. In Delaneys Haus. Und ich schlafe dann vielleicht auch gleich dort. Aber ich hoffe, heute Abend klappt es für dich. Ich denke an dich … meistens. Scheiße, wo sind meine Schuhe?“

Ich rannte ihm hinterher und kam gerade noch rechtzeitig ins Wohnzimmer, um mitzuerleben, wie mein normalerweise ruhiger und gelassener bester Freund an der Haustür stand und sich praktisch in einer Art Panik im Kreis drehte.

„Warte, Hayes! Bitte geh nicht“, flehte ich ihn an.

Ich sah mich hilflos in der Wohnung um. Mein ganzer Plan war absolut in die Hose gegangen, und ich wusste wirklich nicht, was ich jetzt tun sollte. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich noch einen Trumpf im Ärmel hatte.

„Tanz mit mir“, platzte ich heraus.

Hayes hörte auf, sich um sich selbst zu drehen, aber nur, um sich mir zuzuwenden und mich anzustarren, als wäre mir soeben ein zweiter Kopf gewachsen. „Ich verstehe nicht.“

„Ich weiß. Ich weiß, dass du das nicht verstehst. Weil ich nicht weiß, wie ich dir sagen soll …“ Eine wilde, heiße Panik kroch mir die Kehle hinauf. Dies fühlte sich wie meine letzte Chance an. Meine einzige Chance. „Bitte? Nur ein Tanz. Ein Tanz, und dann wirst du alles verstehen, was ich dir sagen will, okay?“ Ich streckte meinen Arm in einer altmodischen, höflichen Geste aus.

Hayes starrte mich an, als sei mein Arm eine Schlange, die ihn angreifen könnte. Dann fuhr er sich mit einer Hand über sein Gesicht. „Diese Augen sollten illegal sein“, murmelte er. „Na schön. Ein Tanz.“

„Großartig.“ Atme, Kel. „Gut. Okay. Du wirst es nicht bereuen.“ Ich öffnete mein Handy, rief die Spotify-App auf, scrollte zur Wiedergabeliste der besten romantischen Liebeslieder, die ich vorhin gefunden hatte, klickte sie an, legte mein Handy auf den Tisch und drehte mich dann zu Hayes um. „Dieser Song wird dir alles sagen, was du wissen musst.“

In dem kurzen stillen Moment, bevor die Musik einsetzte, lächelte ich ihn an ‒ meinen besten Freund, den Mann, den ich liebte ‒ und stellte mir vor, wie ich ihn in meine Arme nahm und an mich drückte, so wie ich es mir schon seit Wochen erträumt hatte.

Hayes rollte zuerst mit den Augen, lächelte dann aber auch, als könnte er nicht anders. Als ob ihn unser Zusammensein genauso glücklich machte wie mich.

Zum ersten Mal seit einem gefühlten Jahrhundert atmete ich wieder tief und frei durch …

Und dann ertönteaus dem Bluetooth-Lautsprecher in der Küche „Bye Bye Bye“ von NSYNC.

„Scheiße, nein!“, rief ich und griff nach meinem Handy, um es zum Schweigen zu bringen.

„Scheiß drauf, ich brauche keine Schuhe“, entschied Hayes und marschierte zur Tür.

Das Universum lachte in diesem Moment ganz eindeutig über mich. Ein riesiger kosmischer Witz mit mir als unfreiwilliger Pointe.

„Hayes, warte!“ Ich packte ihn am Arm und wirbelte ihn herum. „Das war mein Fehler. Ich habe vorher nicht gecheckt … welches Arschloch hat denn diesen Song auf eine Romantik-Playlist gesetzt?“ Ich war richtig wütend.

„Ich vermute, dass es dasselbe Arschloch war, das seiner Freundin einen Heiratsantrag mit Buttercreme-Glasur machen will!“, brüllte Hayes.

„Hey!“, schimpfte ich und fühlte mich verletzt, obwohl ich nicht sagen konnte, warum. „Ich dachte, du hättest gemeint, das wäre süß.“

Hayes kniff die Augen zusammen und brachte sein Gesicht bis auf wenige Zentimeter an meines heran. „Ich habe gelogen.“

Ich schloss meine Augen, und meine Schultern sackten in sich zusammen.

Der dritte Fehler …oder eher drei Milliarden … und ich war raus.

Ich hatte völlig versagt. Ich hatte nicht nur die winzige Chance verspielt, Hayes dazu zu bringen, mich anders als nur als seinen Kumpel zu sehen, ich hatte mich auch zum Narren gemacht und dadurch unsere Freundschaft ruiniert.

In all diesen fünf verdammten Jahren konnte ich mich nicht daran erinnern, dass Hayes jemals vor mir weggelaufen wäre. Ich hätte mir das nicht einmal vorstellen können.

„Kein Risiko, keine Belohnung.“ Ich schnaubte, wischte mir mit der Hand über die Augen und stellte entsetzt fest, dass sie feucht waren. „Brewer hat ja keine Ahnung.“

„Was?“, flüsterte Hayes.

„Nichts.“ Ich wich von ihm zurück und begann, meine eigenen blöden Schuhe zu suchen. Ich konnte Hayes nicht mehr länger ansehen. Konnte es nicht ertragen, Verwirrung oder Mitleid in seinem Gesicht zu sehen. „Hör zu, ich habe einfach alles vermasselt, und ich verstehe, dass du im Moment nicht mehr länger in meiner Nähe sein willst. Aber du bleibst hier, und ich schlafe bei Brewer und Delaney, und wir reden dann morgen, okay? Du musst morgen früh wieder arbeiten, und du weißt, dass du allergisch auf Teenys Hundehaare bist. Du brauchst Ruhe.“

„Und was zum Teufel soll ich mit Penny machen, wenn sie hier auftaucht?“, fragte Hayes.

Mein Kopf schnellte hoch. „Wer zum Teufel ist Penny?“

„Genau das möchte ich gern wissen!“ Hayes gestikulierte mit einer Hand in Richtung Küche, und seine blauen Augen blitzten vor Wut, die ich nicht so richtig verstand. „Jemand, mit dem du anscheinend seit ein paar Wochen fest zusammen bist und der du jetzt einen Heiratsantrag machen willst, ohne sie zuvor deinem besten Freund auch nur vorzustellen?“

Heiratsantrag? „Ich habe nicht …“

„Mein Gott, Kel. Es tut mir leid, okay?“ Hayes hob seine Hände und ließ sie dann wieder an seine Seite fallen. „Es tut mir leid, dass ich es für dich so seltsam gemacht habe. Es tut mir leid, dass ich so eifersüchtig reagiert habe. Es tut mir leid, dass ich seit fünf Jahren in dich verliebt bin und dadurch unsere Freundschaft vermasselt habe. Aber jetzt mal ganz ehrlich, wie konntest du mir verschweigen, dass du eine ernsthafte Freundin hast, bevor du ihr einen Antrag machst? Weil, wie …“

Ohne Vorwarnung hörte die ganze Welt auf einmal auf, sich um ihre Achse zu drehen. Mir klappte die Kinnlade herunter, und ich schüttelte den Kopf, weil ich mich fragte, ob NSYNC vielleicht meine Trommelfelle beschädigt hatten, aber mein Herz wusste, dass ich das soeben ganz richtig gehört hatte. Deshalb hämmerte es wie wild in meiner Brust und pumpte Hoffnung in meinen Blutkreislauf. „Was hast du gerade gesagt?“, fragte ich leise.

„Ich sagte, wie konntest du mir verschweigen, dass …“

Ich packte Hayes an beiden Armen und drückte ihn gegen die Wand. „Was du davor gesagt hast“, verlangte ich eindringlich.

„Ich …“ Hayes‘ Augen weiteten sich und er blinzelte. Sein ganzes Gesicht wurde rot, wie damals, als er darauf bestand, bei unserem Chicken Wing-Abend die Triple-Jalapeno-Wings zu bestellen, weil er wusste, dass ich die am liebsten mochte. Dann hob er sein Kinn an. „Ich sagte, dass ich seit fünf Jahren in dich verliebt bin. Aber ich weiß, dass das keine Rolle spielt, weil du ja jemand anderen hast …“

War ihm das ernst?

Unzählige Nächte, die wir durchmachten, unseres Games spielten und uns über Gott und die Welt unterhielten. Die Art, wie Hayes immer zu wissen schien, was ich dachte, bevor ich es aussprach. Die Art und Weise, wie ich mir mein Leben ohne ihn überhaupt nicht vorstellen konnte.

Das war das Einzige, was verdammt noch mal eine Rolle spielte.

„Hayes, Alter.“ Meine Stimme brach, als ich ihn am ganzen Körper schüttelte, meine Finger gruben sich in seine Haut, als würde er sich in Luft auflösen, wenn ich ihn losließ. „Es gibt niemanden. Es gibt nur dich.“

„Aber Penny …“

Ein verzweifeltes Lachen sprudelte aus meiner Brust hervor. „Alter. Ich mache keine Witze. Ich weiß wirklich nicht, wer zum Teufel Penny ist“, sagte ich. „Aber sie wird ganz schön verwirrt sein, wenn ihr Freund ihr einen Kuchen schenkt, auf der ‚Ich will mehr als nur dein Kumpel sein, Hayes‘ steht.“

Hayes‘ blaue Augen weiteten sich, und er schüttelte den Kopf. „Aber … aber du hast die ganze Wohnung aufgeräumt. Du trägst dein Fick-mich-Hemd. Du hast ein Date.“ Seine Stimme sank zu einem Flüstern herab. Ein hoffnungsvolles Flüstern. „Und du bist außerdem hetero!“

„Hayes. Du bist das Date.“ Ich biss mir auf die Unterlippe. „Wenigstens … hatte ich das so geplant. Und ich glaube … nein, ich weiß, dass ich doch nicht so hetero bin, wie ich immer dachte. Weil …“ Meine Brust fühlte sich an, als würde sie zerspringen, wenn ich nicht das, was ich für ihn fühlte, laut aussprach, also tat ich es einfach, verdammt. „Weil ich nämlich auch in dich verliebt bin.“

„Kel“, flüsterte er behutsam. Seine Augen suchten meine. „Ist das so wie damals, als ich zu viel Jägermeister getrunken und dann halluziniert habe, dass das Pizza Hut-Maskottchen mich zu einem Tanzbattle herausgefordert hat?“

Ich musste lachen, weil das wieder so ganz nach Hayes klang. Weil ich all seine lächerlichen Anspielungen verstand, so wie er meine immer verstand. Weil es gute Anzeichen dafür gab, dass ich es mit uns beiden doch noch nicht endgültig vermasselt hatte … und dass ich vielleicht auch noch alle seine zukünftigen Geschichten miterleben würde. Weil ich ihn liebte.

„Das hier ist echt, Baby.“ Zu meinem eigenen Schock fühlte sich das Wort nicht komisch an, als es aus meinem Mund herauskam. Es fühlte sich richtig an. Wie die völlig natürliche Weiterentwicklung von uns beiden. Als hätten wir unsere Freundschaft vom Gelegenheitsmodus auf ein neues legendäres Level angehoben und all die Bonus-Modi und zusätzlichen Quests freigeschaltet, zu denen wir vorher noch keinen Zugang hatten.

Und das war verdammt episch.

„Du hast mir extra diese schicken Oma-Kerzen gekauft.“ Hayes Augen blickten tellergroß.

„Der Duft heißt Herzen & Blumen“, korrigierte ich ihn. „Und die Dame im Laden versicherte mir …“

„Und du hast mir einen Kuchen besorgt.“

„Schokolade“, ergänzte ich leise. „Deine Lieblingssorte.“

„Und du hast eine Playlist erstellt, damit wir zusammen tanzen können!“

Ich runzelte nur leicht die Stirn. „Nun, nein, ich habe die Playlist nicht erstellt. Irgendein gedankenloses, kriminelles Arschloch hat diese Playlist erstellt und dann die schlimmstmögliche …“

„Du liebst mich“, unterbrach mich Hayes, wobei Verwunderung und Belustigung in seinen blauen Augen aufleuchteten.

Ich nickte feierlich. „Das tue ich. Das tue ich wirklich. Und wenn du deinem Cousin Glauben schenkst, dann ist das wohl schon vor einer ganzen Weile passiert, auch wenn es mir erst vor ein paar Wochen so richtig bewusst wurde. Ich hatte sozusagen einen Zusammenbruch bei Brewer, und er riet mir, ich solle einfach ehrlich sein, aber ich hatte … solche verdammte Angst. Du bist der wichtigste Mensch auf der ganzen Welt für mich, und ich bin so verdammt schlecht in Beziehungsdingen …“

Hayes nahm mein Gesicht in seine beiden Hände. „Hier geht es nicht um irgendeine Beziehung, Dummkopf. Es geht um uns. Um dich und mich. Alles, was du für mich jemals sein musst, bist nur du.“

Dann küsste er mich ‒ nicht zaghaft oder fragend, sondern ganz und gar, wie Hayes. Seine Hände glitten von meinem Gesicht zu meiner Taille und zogen mich näher an ihn, während er unseren Kuss vertiefte, und ich griff nach seinem Hemd und überlegte bereits, wie ich es ihm am besten ausziehen könnte.

Denn Hayes hatte recht. Beziehungen mögen zwar kompliziert sein, aber er und ich hatten schon immer perfekt zusammengepasst. Die einfachste und leichteste Sache der Welt. Und jetzt, wo ich mir selbst nicht mehr im Weg gestanden hatte und das Risiko eingegangen war …

Die Belohnung würde verdammt episch sein.

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